„Eine Trpraeventive-mediationennung hat für Kinder langfristig weit geringere Auswirkungen als früher angenommen“ sagt die Forschungsdirektorin Sabine Walper des Deutschen Jugendinstituts (DJI)1. Ihre Studienergebnisse zeigen, dass Trennungskinder sich nicht von Mädchen und Jungen unterscheiden, deren Eltern eine Paarbeziehung leben. Ganz anders sieht es dagegen aus, wenn die Konflikte zwischen den Eltern nach der Trennung andauern. Eisiges Schweigen, perfide Schuldzuweisungen oder lautstarke Auseinandersetzungen – wenn Kinder im privaten Kleinkrieg der Eltern zwischen die Fronten geraten leiden sie unter Loyalitätskonflikten. Das Ergebnis der DJI-Forscher gilt somit nur unter der Bedingung, dass Eltern es nach der Trennung schaffen ihren familiären Alltag neu zu gestalten und ihre Gefühle zu bewältigen.

Familienleben nach der Trennung. Wo liegen die Herausforderungen?

Anders, als Begriffe wie ‚zerbrochene’ oder ‚gescheiterte Familie’ suggerieren, löst sich mit einer Trennung die Familie nicht auf, sondern mit ihr gehen Prozesse der sozialen, emotionalen und raum-zeitlichen Neuorganisation des Familiensystems einher2. Eine Trennung stellt Eltern und Kinder somit vor neue emotionale, kommunikative und organisatorische Herausforderungen. So stehen getrennte Eltern vor der Aufgabe den Trennungskonflikt und damit einhergehende Gefühle möglichst fern von der Eltern-Kind-Beziehung zu halten. Für das alltägliche Familienleben in mehreren Haushalten und an unterschiedlichen Orten müssen neue Wohnarrangements und ‚Pendelrhythmen’ gefunden werden. Auch braucht es Strategien im Umgang mit wechselnden Anwesenheits- und Abwesenheitsphasen und dem ständigen Unterwegs-sein von Familienmitgliedern. Hierbei geht es beispielswiese um Gefühlsarbeit in Schlüsselsituationen wie Abschied und Ankunft, die von (u.U. gegenläufiger) Traurigkeit, Aufregung und Freude geprägt sein können; Um die langfristige Planung von Kindergeburtstagen und anderen Festen. Um die Frage, wie trotz des Pendelns zwischen den familialen Welten so etwa wie Kontinuität aufrecht erhalten bleibt sowie um ganz praktische Themen: Welches Verkehrsmittel nutzt das Kind? Wer kauft die Fahrkarten? Soll es begleitet werden?

Warum ist Mediation in Trennungsphasen wichtig?

Ziel einer Mediation ist es das alltägliche Sorgearrangement gemeinsam auszuhandeln und dabei zu unterstützen über die Trennung hinaus eine tragfähige Elternbeziehung zu entwickeln. Nach einer Trennung ist Familie als Gemeinschaft nicht mehr per se vorhanden. Mediation schafft die Möglichkeit, sich dieser komplexen Aufgabe gemeinsam zu stellen, trotz Beendigung der Paarbeziehung die Rollen als Eltern neu zu gestalten und das mehrörtige Familienleben zu organisieren. Unter professioneller Anleitung können alle wichtigen Fragen miteinander geklärt werden. Die Beteiligten suchen selbstbestimmt nach einvernehmlichen Lösungen, die ihren individuellen Lebenssituationen entsprechen. Dabei werden in der Mediation die Interessen der ganzen Familie berücksichtigt. Die Wünsche der Kinder sowie die Bedürfnisse neuer Partner können somit in den Prozess mit einbezogen werden.

Quellen

1Spiewakl (2014)

2Schier (2011); Walper/Gerhard (2001)

Schier, M. et al (2011). Wenn Eltern sich trennen: Familienleben an mehreren Orten. DJI Online Dezember 2011, http://www.dji.de/?id=42737 [abgerufen am 16.12.2015]

Schier, M. (2011). Doing family under multi-local conditions. Vortrag anlässlich des internationalen Workshops „The Everyday Life of Multi-Local Families: Concepts, Methods and the Example of Post-Separation Families”, 20th October 2011, Munich

Spiewakl, Martin (2014). Das Trauma überwinden. http://www.zeit.de/2014/18/scheidung-kinder-beziehung-eltern [abgerufen am 16.12.2015]

Walper, S./Gerhard, A.-K. (2001). Scheidung der Eltern – ein Marker in der Biographie der Kinder? In: Behnken, I./Zinnecker, J. (Hrsg.): Kindheit und Biographie. Seelze-Velber, S. 522-535

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